Festgäste und Mitarbeiter feierten 50 Jahre Gemeinschaft und gelebte Inklusion.
Die Wolfsteiner Werkstätten haben am Wochenende zu einem Tag der offenen Türen mit zahlreichen Attraktionen eingeladen. Der Einladung sind Menschen aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus in Scharen gefolgt. Die Veranstalter sprachen von gut 6000 Besuchern. Vor dem Öffnen der Tore für die Bevölkerung fand im Speisesaal ein offizieller Festakt mit Gästen aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft statt. In ihrer Festrede hob die Passauer Caritasdirektorin Andrea Anderlik die Einrichtung heraus als "starkes Stück der Kirche von Passau, die mit ihrer Caritas hier einmal mehr unterstreicht, dass jede Form menschlichen Lebens hoch geachtet ist". Auch die Grußwortsprecher würdigten die Arbeit der Leitung der Werkstätten und aller Mitarbeiter.
Der Leiter der Einrichtung, Helmut Weber, freute sich, eine ganze Reihe von Ehrengästen aus dem Bereich Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft begrüßen zu dürfen. Sein besonderer Dank galt den Kunden, "ohne deren Aufträge die Teilhabe an Arbeit in dieser Form nicht möglich wäre".
Zusammenarbeit mit BMW oder ADAC
Die vergangenen 50 Jahre bezeichnete er als "Zeit voller Veränderungen, Begegnungen und Highlights". Aus der Reihe der großen Projekte hob er die Zusammenarbeit im weltweiten Teileversand mit BMW heraus. In den Caritas-Werkstätten werden Jahr für Jahr über 100 Millionen Teile verpackt. Aus der Kooperation mit dem ADAC bei Rallye-Veranstaltungen wurde inzwischen ein bundesweites Projekt von Rennsport und Menschen mit Handicap. Herzensangelegenheit war ihm die Seelsorge in den Werkstätten, die Pfarrvikar Johannes Spitaler seit Jahrzehnten verlässlich und treu ausübt.
Als Bürgermeister zeigte sich Olaf Heinrich stolz darauf, dass es in der Stadt Freyung eine Einrichtung gibt, die insgesamt 598 Mitarbeitern, davon 417 Menschen mit Beeinträchtigung, Arbeit gibt. Was 1975 mit 21 Beschäftigten begann hat sich zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt, die zeige, dass soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind, sondern dass beides Hand in Hand geht. Als Bezirkstagspräsident hob er die Bedeutung der Einrichtung für den Bezirk Niederbayern als überörtlicher Träger der Sozialhilfe heraus.
Landrat Sebastian Gruber würdigte, wie aus kleinen Anfängen eine herausragende Einrichtung wurde. Er zeigte sich überzeugt: "Wenn wir weiterhin mit dieser Haltung über Inklusion, Persönlichkeitsförderung und Teilhabe sprechen und diese Werte leben, dann bleibt unsere Region auch künftig ein Ort, an dem Vielfalt gelebt und Chancen eröffnet werden."
Für die Mitarbeitervertretung sprach Stefan Köck und unterstrich das Miteinander in der Einrichtung, das sich gerade in Krisenzeiten wie Corona bewährt hat. Ramona Schuster vom Werkstattrat stellte klar, dass Menschen mit Handicap Tag für Tag außerordentliche Leistungen vollbringen.
Mit Freude und Dankbarkeit hieß Andrea Anderlick die Gäste im Namen der Caritas willkommen. Die Werkstätten bezeichnete sie als starkes Ausrufezeichen für eine offene Gesellschaft, für Wertschätzung und aufeinander achten. Inklusion dürfe nicht nur ein schönes Wort bleiben, "das man bei Festakten gern benutzt". Vielmehr seien alle in Politik, Gesellschaft und Kirche Tätigen gefordert, dieses Anliegen in den Alltag hineinzutragen und dort zu verankern".
Den Festreden und dem Auftritt von Beppo Calzone schloss sich die Möglichkeit an, alle Bereiche der Wolfsteiner Werkstätten zu erkunden. Die rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellten in den Werkbereichen ihre Arbeit vor; etwa in der Schreinerei, Metall, Näherei, Industriemontage und Verpackung oder Serienfertigung und Wäscherei.
Über das ganze Areal der Werkstätten waren Stationen verteilt, an denen sich die Besucher in Geschicklichkeit üben, ihre Zielsicherheit testen oder sich einfach informieren konnten. Verpflegungsstände sorgten dafür, dass keiner der rund 6000 Besucher Hunger leiden musste. Die Verantwortlichen der Wolfsteiner Werkstätten hatten bei der Vorbereitung und Durchführung mit Hilfe von vielen Händen ganze Arbeit geleistet, so dass das Megaevent reibungslos von statten gehen konnte.
Auf verschiedenen Bühnen gab es den ganzen Tag über musikalisches Angebot vom Musikverein Schlag mit einer Blasmusik über Tanzeinlagen bis zu Bayerischen Klängen mit den "d"Noudnigln Original" und irischen Weisen mit Ringelirish. Auch die Rothbach-Bühne brachte sich mit kleinen Theaterstücken ein. Wer die Haus-Rallye mitmachte, konnte am Schluss ein kleines Holz-Kripperl zusammenstecken. Eine perfekte Idee - Weihnachtsgruß inklusive.
Die Werkstatt
Seit 50 Jahren besteht die Einrichtung des Caritasverbandes für die Diözese Passau e. V.. Bis heute gilt: Die Hilfe für Menschen ist das zentrale Thema. Aktuell sind in den Wolfsteiner Werkstätten 417 Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt, davon 326 im Arbeitsbereich, 25 im Berufsbildungsbereich und 66 in der Förderstätte. Insgesamt arbeiten 181 Kolleginnen und Kollegen in der Einrichtung, davon 72 im Bereich Betreuung (Gruppenleiter, Sozialdienst, Pflegedienst, Organisatorischer Dienst sowie pädagogisches Hilfs- und Fachpersonal in der Förderstätte).
50 Jahre: RÜCKBLICK
1973 war Baubeginn. Im Oktober 1975 eröffnet die Werkstatt mit 21 Beschäftigten.
Es gab vier verschiedene Arbeitsbereiche: Beschützender Bereich, Produktionsbereich, Metallbereich, Hauswirtschaft. 1978 wurde das Wohnheim für 16 Personen in Kreuzberg eröffnet. Bereits 1980 waren es 120 Personen mit Behinderung. 1983 kam eine Tagesstätte für Schwerstbehinderte Menschen (Fördergruppe) dazu. 1987 wurde der Erweiterungsbau gesegnet. 1990 wurde die Wäscherei erweitert, die Keramikabteilung eröffnet. 1993 erfolgte die Einweihung der Förderstätte. 1995 wurde die Wäscherei neu gebaut. 2007 zog die Abteilung "Industriemontage und Verpackung (IMV)" nach Hohenau. 2011 eröffnet die Gruppe für psychisch Kranke (PPK) und ein Teil des Technologie-Campus Deggendorf/Freyung wurde in die Wolfsteiner Werkstätten verlagert. 2011 bis 2014 wird Werkstätte erweitert. 2014 feiern die Wolfsteiner 30 Jahre Zusammenarbeit mit der BMW Group. Bis 2017 entsteht der Ersatzneubau samt Speisesaal. 2021 wird eine neue Kaltlagerhalle gebaut. 2024 wird die Reinigung Texstyle an den Hauptstandort verlegt.
Text: Margit Poxleitner